Die kurze Antwort: zwei Werkstoffe, zwei Konzepte
Heute werden die meisten Kariesdefekte mit Komposit versorgt, einem zahnfarbenen Kunststoff, der an Schmelz und Dentin geklebt wird. Amalgam, die silbergraue Füllung, wurde über ein Jahrhundert lang verwendet und ist nach wie vor ein belastbarer Werkstoff. Sein Einsatz geht jedoch weltweit zurück, vor allem aus Umweltgründen wegen des Quecksilbers. Eine alte, intakte Amalgamfüllung muss in der Regel nicht entfernt werden: Ersetzt wird sie, wenn sie beschädigt ist, wenn der Zahn darunter ein Problem hat oder in seltenen medizinischen Situationen.
Für die Entscheidung zählen drei Fragen: der tatsächliche Zustand der Füllung, die Größe des Defekts und Ihre ästhetischen Erwartungen. Dieser Beitrag geht jede davon durch, ohne Panikmache und ohne berechtigte Fragen kleinzureden.
Woraus die Werkstoffe bestehen
Zahnamalgam ist eine Legierung, die durch Mischen von flüssigem Quecksilber mit einem Metallpulver (Silber, Zinn, Kupfer) entsteht. Nach dem Aushärten ist das Quecksilber an die anderen Metalle gebunden. Amalgam haftet nicht am Zahn, sondern hält durch die Form der Kavität, die der Zahnarzt mit Unterschnitten präparieren muss. Dabei geht mitunter gesunde Zahnsubstanz verloren.
Komposit besteht aus Kunststoff und sehr feinen mineralischen Füllkörpern. Es wird mit einem Adhäsiv verklebt und schichtweise mit einer Polymerisationslampe gehärtet. Weil es haftet, kann sich die Präparation auf das kariöse Gewebe beschränken, was den Zahn schont.
Für bestimmte Zwecke gibt es weitere Werkstoffe:
- Glasionomerzemente, die Fluorid abgeben und sich für Milchzähne, Wurzeloberflächen am Zahnfleischrand oder als Übergangsfüllung eignen;
- Inlays und Onlays aus Keramik oder Komposit, die außerhalb des Mundes gefertigt werden, wenn viel Zahnsubstanz fehlt (siehe unseren Beitrag zu Keramik-Inlays und Onlays).
Die Quecksilberfrage: was Behörden sagen
Diese Frage stellen Patienten am häufigsten. Die offiziellen Positionen, einfach zusammengefasst:
- Die Weltgesundheitsorganisation und die FDI (Weltzahnärzteverband) sehen in einer vorhandenen Amalgamfüllung keine nachgewiesene Gefahr für die Allgemeinbevölkerung. Geringe Mengen Quecksilberdampf können frei werden, vor allem beim Legen oder Entfernen oder bei starkem Knirschen, die gemessenen Werte bleiben aber niedrig.
- Das Minamata-Übereinkommen über Quecksilber von 2013 verlangt eine schrittweise Verringerung des Amalgameinsatzes. Der Hauptgrund ist der Umweltschutz: Quecksilber aus zahnärztlichen Abfällen belastet Wasser und Böden.
- Die Europäische Union hat Amalgam zunächst bei Kindern unter 15 Jahren sowie bei Schwangeren und Stillenden eingeschränkt (2018) und seine Verwendung ab 2025 grundsätzlich verboten, außer bei besonderer medizinischer Notwendigkeit.
- Die US-Behörde FDA empfiehlt seit 2020, bei bestimmten empfindlicheren Gruppen (Schwangerschaft, Stillzeit, Kleinkinder, neurologische oder Nierenerkrankungen, Quecksilberallergie) nach Möglichkeit auf neue Amalgamfüllungen zu verzichten. Zugleich betont sie, dass intakte Füllungen nicht ohne Grund entfernt werden sollten.
Kurz gesagt: Amalgam wird kaum noch gelegt, doch vorhandene Füllungen sind kein gesundheitlicher Notfall.
Komposit und Amalgam: Stärken und Grenzen
Beide Werkstoffe haben echte Vorzüge:
- Ästhetik: Komposit wird der Zahnfarbe angepasst; Amalgam ist sichtbar und kann dem Zahn mit den Jahren einen grauen Schimmer verleihen.
- Substanzschonung: Geklebtes Komposit erfordert weniger Bohren, Amalgam braucht eine mechanisch haltende Form.
- Schwierige Bedingungen: Amalgam verträgt eine sehr tiefe Kavität unter dem Zahnfleisch, die sich schwer trocken halten lässt, besser. Komposit ist anspruchsvoll: Der Bereich muss beim Kleben vollständig speichelfrei sein, idealerweise mit Kofferdam.
- Reparatur: Ein leicht abgeplatztes Komposit lässt sich oft reparieren, ohne die ganze Füllung zu erneuern.
- Große Defekte: Hat ein Zahn viel Substanz verloren, ist keiner der beiden Werkstoffe ideal. Eine im Labor oder per CAD/CAM gefertigte Klebeversorgung oder eine Krone schützt geschwächte Wände besser.
Manche Patienten fragen auch nach Kunststoffen: Unmittelbar nach dem Legen können Spuren von Bisphenol-Derivaten frei werden, europäische Bewertungen stufen diese Belastung jedoch als sehr gering ein. Ausspülen nach der Behandlung entfernt den Großteil davon.
Wann sollte eine alte Amalgamfüllung ersetzt werden?
Ein Austausch ist gerechtfertigt, wenn ein Problem festgestellt wird, nicht allein wegen des Alters der Füllung:
- Bruch der Füllung oder eines Höckers (einer Zahnwand);
- sichtbare Risse im Schmelz rund um das Amalgam, die den Zahn bruchgefährdet machen (unser Beitrag zum abgebrochenen oder angebrochenen Zahn erklärt dieses Risiko);
- Sekundärkaries unter dem Rand, bei der Untersuchung oder im Röntgenbild erkannt;
- ein offener Rand, in dem sich Speisereste festsetzen;
- eine Schleimhautveränderung im Kontakt mit dem Amalgam (sogenannte lichenoide Reaktion) oder eine gesicherte Quecksilberallergie, beides selten und mit dem Arzt zu besprechen;
- ein ästhetischer Wunsch, etwa an einem sichtbaren Prämolaren, nach klarer Aufklärung.
Dagegen wird empfohlen, nicht alle Amalgamfüllungen zur "Entgiftung" zu entfernen: Keine belastbare Studie zeigt eine Besserung allgemeiner Beschwerden, das Ausbohren setzt kurzfristig mehr Dampf frei als die Füllung an Ort und Stelle, und jeder Austausch vergrößert die Kavität ein wenig. Ein grauer Fleck am Zahnfleisch neben einer alten Füllung (Amalgamtätowierung) ist meist harmlos, jeder pigmentierte Fleck sollte aber dem Zahnarzt gezeigt werden.
Wie der Austausch abläuft
Ist der Austausch beschlossen, erfolgt er unter örtlicher Betäubung und mit einfachen Vorsichtsmaßnahmen, die die Quecksilberbelastung begrenzen:
- Isolierung des Zahns, idealerweise mit Kofferdam;
- leistungsstarke Absaugung direkt am Zahn;
- Bohren unter Wasserkühlung, wobei das Amalgam in Stücke getrennt statt zermahlen wird;
- Entsorgung der Reste über geeignete Wege.
Anschließend prüft der Zahnarzt das oft verfärbte Dentin unter der alten Füllung und entfernt kariöses Gewebe. Je nach verbleibenden Wänden schlägt er eine direkte Kompositfüllung, ein Onlay oder eine Krone vor. Häufig ist es sinnvoller, Amalgamfüllungen nach Bedarf einzeln zu ersetzen statt alle auf einmal. Danach kann der Zahn einige Tage leicht kälteempfindlich sein; hält das an oder schmerzt der Zahn beim Zubeißen, sollte er kontrolliert werden.
Ihre Füllungen in Agdal überprüfen lassen
Die richtige Entscheidung lässt sich nicht nach dem Aussehen treffen: Ein mattes Amalgam kann völlig dicht sein, ein neues Komposit dagegen eine Undichtigkeit verbergen. Bei einer Kontrolle in der German Dental Clinic in Agdal untersucht der Zahnarzt jede Füllung, sucht nach Rissen und Sekundärkaries und nutzt bei Bedarf das digitale Röntgen. Für größere Versorgungen gehören der digitale Abdruck und die Fertigung vor Ort per CAD/CAM zu den Möglichkeiten, die besprochen werden.
Sie erhalten eine klare Übersicht: was erneuert werden muss, was warten kann und was nur beobachtet wird. Mehr zur Kariesbehandlung finden Sie auf unserer Seite, oder Sie vereinbaren einen Termin, wenn Sie in Rabat sind.
Häufige Fragen
Können meine Amalgamfüllungen eine Quecksilbervergiftung verursachen?
Nach Einschätzung der WHO, der FDI und europäischer Behörden stellt eine intakte Amalgamfüllung für die Allgemeinbevölkerung keine nachgewiesene Gefahr dar. Geringe Dampfmengen können vor allem beim Bohren oder bei starkem Knirschen frei werden. Bei unklaren Beschwerden sprechen Sie mit Ihrem Arzt, der zunächst die üblichen Ursachen abklärt, bevor die Füllungen verdächtigt werden.
Wird Amalgam heute noch verwendet?
Sein Einsatz geht weltweit zurück, und in der Europäischen Union ist es inzwischen verboten, außer bei besonderer medizinischer Notwendigkeit. Im Praxisalltag ersetzen Komposit und Klebeversorgungen Amalgam in den allermeisten Fällen. Ihr Zahnarzt erklärt Ihnen, welcher Werkstoff zu Ihrem Defekt passt und warum.
Hält Komposit so lange wie Amalgam?
Bei kleinen und mittleren Defekten zeigt ein sorgfältig unter Trockenlegung gelegtes Komposit in der Regel gute Ergebnisse über viele Jahre. Die Haltbarkeit hängt vor allem von der Defektgröße, Ihrem Kariesrisiko, Knirschen und der Mundhygiene ab. Bei großem Substanzverlust ist ein Onlay oder eine Krone oft die bessere Wahl.
Ich bin schwanger: Sollte ich meine Amalgamfüllungen entfernen lassen?
Nein, in der Schwangerschaft wird davon abgeraten: Das Entfernen setzt kurzfristig mehr Quecksilberdampf frei als eine Füllung, die bleibt. Notwendige Behandlungen erfolgen mit anderen Werkstoffen, und der Austausch intakter alter Füllungen kann warten. Teilen Sie Ihrem Zahnarzt immer mit, dass Sie schwanger sind.
Warum ist mein Zahn rund um das Amalgam grau geworden?
Mit der Zeit können Korrosionsprodukte des Amalgams das Dentin verfärben, sodass ein grauer Schimmer durch den Schmelz sichtbar wird. Das ist nicht zwingend Karies, eine Undichtigkeit oder ein Riss muss aber ausgeschlossen werden. Untersuchung und bei Bedarf ein Röntgenbild zeigen, ob gehandelt werden muss.
Die Informationen auf dieser Seite sind allgemein. Nur eine Untersuchung ermöglicht eine Diagnose und einen passenden Behandlungsplan.
Eine Frage zu Ihrer Situation?
Dr Fenjero Walid empfängt Sie in Agdal, Rabat, für eine Untersuchung und Antworten, die zu Ihrem Fall passen.



