Was ist ein Zahnfleischrückgang?
Beim Zahnfleischrückgang, fachlich gingivale Rezession, zieht sich der Zahnfleischrand in Richtung Wurzel zurück, die dadurch sichtbar wird. Behandelt wird zunächst die Ursache, danach, wenn sinnvoll, mit einer Zahnfleischtransplantation, die die Wurzel bedeckt oder das Zahnfleisch verdickt. Nicht jede Rezession muss operiert werden, aber jede verdient eine Diagnose.
Erkennbar ist sie an mehreren Zeichen:
- ein Zahn wirkt länger als seine Nachbarn;
- ein gelblicher oder dunklerer Bereich nahe am Zahnfleisch, das ist die Wurzel;
- Empfindlichkeit auf Kälte oder beim Putzen an dieser Stelle;
- manchmal eine kleine Kerbe am Zahnhals.
Zahnfleischrückgang ist bei Erwachsenen häufig und betrifft auch Menschen, die besonders gewissenhaft putzen. Das ist eines seiner Paradoxe: Zu kräftiges Putzen ist eine klassische Ursache.
Warum das Zahnfleisch zurückgeht
Eine Rezession entsteht fast immer aus einer Veranlagung in Verbindung mit einem Auslöser.
Die Veranlagung ist vor allem ein dünner gingivaler Phänotyp: Bei manchen Menschen sind Zahnfleisch und Knochen über der Wurzel von Natur aus sehr dünn, besonders an den Eckzähnen und den unteren Schneidezähnen. Auch ein Zahn, der im Zahnbogen weit vorne außerhalb seines knöchernen Rahmens steht, ist stärker gefährdet.
Die häufigsten Auslöser:
- traumatisches Putzen: harte Bürste, horizontales Schrubben, zu viel Druck;
- Parodontitis, die Knochen und Attachment zerstört und das Zahnfleisch absinken lässt;
- kieferorthopädische Bewegungen der Zähne nach außen bei dünnem Knochen;
- ein Lippen- oder Wangenbändchen, das zu nah am Zahnfleischrand ansetzt und bei jeder Lippenbewegung daran zieht;
- ein Piercing an Lippe oder Zunge, das am Zahnfleisch reibt;
- Rauchen, das das Gewebe schwächt;
- eine Krone oder Füllung mit schlecht angepasstem Rand am Zahnfleisch.
Pressen wird oft genannt. Seine direkte Rolle beim Zahnfleischrückgang ist umstritten, es kann aber zu Kerben am Zahnhals beitragen.
Folgen und Diagnose
Eine freiliegende Wurzel ist schlechter geschützt als die Zahnkrone. Sie ist nicht von Schmelz bedeckt, was die Empfindlichkeit auf Kälte erklärt, mehr dazu in unserem Beitrag über empfindliche Zähne. Außerdem ist sie anfälliger für Karies und Abnutzung. An den Frontzähnen gibt oft das Aussehen den Anstoß für den Zahnarztbesuch.
Die Diagnose beruht auf einer parodontalen Untersuchung: Gemessen werden die Tiefe der Rezession, Dicke und Breite des verbliebenen keratinisierten Zahnfleischs und vor allem der Zustand des Attachments zwischen den Zähnen. Seit der Klassifikation von 2017 der EFP und der AAP werden Rezessionen nach der Cairo-Klassifikation beschrieben:
- RT1: kein Attachmentverlust zwischen den Zähnen, die Papille ist intakt;
- RT2: Attachmentverlust zwischen den Zähnen, aber geringer als an der sichtbaren Fläche;
- RT3: Attachmentverlust zwischen den Zähnen gleich groß oder größer.
Diese Unterscheidung ist entscheidend: Je besser das Attachment zwischen den Zähnen erhalten ist, desto realistischer ist eine vollständige Wurzeldeckung.
Lösungen ohne Operation
Nicht jede Rezession wird operiert. Eine flache, stabile Rezession ohne störende Empfindlichkeit und ohne ästhetischen Wunsch kann einfach beobachtet werden, sofern ihre Ursache beseitigt ist.
Der erste Schritt ist immer derselbe:
- die Putztechnik korrigieren: weiche Bürste, sanfte Bewegung vom Zahnfleisch zum Zahn, kein horizontales Schrubben, wie in unserem Beitrag über die richtige Putztechnik beschrieben;
- eine Entzündung oder Parodontitis behandeln;
- ein auslösendes Piercing entfernen, mit dem Rauchen aufhören;
- eine schlecht angepasste Versorgung erneuern.
Gegen die Empfindlichkeit helfen desensibilisierende Zahnpasten, in der Praxis aufgetragene Fluoridlacke oder eine kleine geklebte Kompositfüllung am Zahnhals, die zugleich eine Abnutzungskerbe versorgt. Diese Maßnahmen bringen das Zahnfleisch nicht zurück, stabilisieren aber die Situation und verbessern den Komfort.
Die Zahnfleischtransplantation: die wichtigsten Techniken
Schreitet die Rezession fort, stört sie ästhetisch, verursacht sie deutliche Empfindlichkeit oder ist das Zahnfleisch zu dünn, kann im Rahmen einer Zahnfleischbehandlung ein mukogingivaler Eingriff vorgeschlagen werden. Die gebräuchlichsten Techniken:
- das subepitheliale Bindegewebstransplantat: Ein dünnes Transplantat wird unter der Oberfläche des Gaumens entnommen, auf die Wurzel gelegt und mit dem patienteneigenen, nach oben verschobenen Zahnfleisch bedeckt (koronaler Verschiebelappen). Es gilt als Referenzverfahren für die Wurzeldeckung, besonders im sichtbaren Bereich;
- die Tunneltechnik: Statt die Papille zu durchtrennen, bildet der Zahnarzt über kleine Schnitte einen „Tunnel“ unter dem Zahnfleisch, schiebt das Transplantat ein und zieht das Zahnfleisch in Richtung Krone. Sie schont die Durchblutung und eignet sich für mehrere benachbarte Rezessionen;
- das freie Schleimhauttransplantat: Es dient vor allem dazu, dort ein Band aus dickem, widerstandsfähigem Zahnfleisch zu schaffen, wo es fehlt, weniger zur Deckung einer sichtbaren Wurzel, da seine Farbe weniger natürlich wirkt;
- Ersatzmaterialien: Kollagenmatrizes tierischen Ursprungs oder andere Biomaterialien können in manchen Fällen die Entnahme am Gaumen ersetzen. Mitunter werden Schmelzmatrixproteine ergänzt.
Die Wahl hängt von der Rezessionsklasse, der Zahl der Zähne, der Zahnfleischdicke und Ihren Erwartungen ab.
Eingriff, Heilung und Ergebnis
Die Transplantation erfolgt unter örtlicher Betäubung in der Praxis. Die Beschwerden danach betreffen oft eher den Gaumen, wenn dort Gewebe entnommen wurde, als den transplantierten Bereich. Eine Gaumenplatte oder ein Verband kann die Entnahmestelle schützen.
Übliche Hinweise:
- in den ersten Tagen weiche, lauwarme Kost, Kauen auf der anderen Seite;
- den transplantierten Bereich für die angegebene Zeit nicht putzen und die verordnete Mundspülung verwenden;
- nicht an der Lippe ziehen, um das Transplantat anzusehen;
- nicht rauchen, da Rauchen die Durchblutung des Transplantats gefährdet;
- zum Fädenziehen und zu den Kontrollen kommen.
Das Ergebnis lässt sich erst nach einigen Monaten beurteilen, wenn das Zahnfleisch ausgereift ist und sich die Farbe angeglichen hat. Eine vollständige Deckung ist bei RT1-Rezessionen ein realistisches Ziel, bei RT2 gelingt sie oft nur teilweise. Bei RT3 ist die Deckung kaum vorhersagbar, hier geht es eher darum, das Zahnfleisch zu verdicken und zu stabilisieren. Ihr Zahnarzt sollte Ihnen vor dem Eingriff ehrliche Erwartungen vermitteln.
Zahnfleischrückgang vorbeugen und in Rabat untersuchen lassen
Das beste Transplantat ist das, das man nicht braucht. Einige Gewohnheiten schützen das Zahnfleisch: weiche Bürste und leichter Druck, passende Interdentalbürsten, regelmäßige Zahnsteinentfernung, Rauchstopp und eine Kontrolle vor jeder kieferorthopädischen Behandlung bei dünnem Zahnfleisch. Bei Kindern und Jugendlichen lässt sich ein Bändchen, das am Zahnfleisch zieht, früh erkennen.
In der German Dental Clinic in Agdal umfasst die Beurteilung einer Rezession die Messung von Zahnfleisch und Attachment, die Suche nach der Ursache und eine Erklärung der Möglichkeiten, von der einfachen Beobachtung bis zur Transplantation. Wenn Sie in Rabat wohnen und ein Zahn länger oder empfindlicher wirkt, können Sie einen Termin vereinbaren.
Häufige Fragen
Kann das Zahnfleisch von selbst nachwachsen?
Nein, zurückgegangenes Zahnfleisch wächst nicht von selbst nach. Wird die Ursache beseitigt, etwa zu aggressives Putzen oder eine Entzündung, schreitet der Rückgang nicht weiter fort. Ist das Zahnfleisch nur entzündlich geschwollen, kann sich seine Form nach der Behandlung verändern, eine freiliegende Wurzel lässt sich aber nur chirurgisch wieder bedecken.
Ist eine Zahnfleischtransplantation schmerzhaft?
Der Eingriff erfolgt unter örtlicher Betäubung und ist in der Regel nicht schmerzhaft. In den folgenden Tagen betreffen die Beschwerden vor allem den Gaumen, wenn dort ein Transplantat entnommen wurde. Mit den verordneten Schmerzmitteln, weicher Kost und dem Schutz der Entnahmestelle lassen sie sich meist gut beherrschen.
Hält eine Zahnfleischtransplantation dauerhaft?
Ein gut eingeheiltes Transplantat ergibt in der Regel dickeres und stabileres Zahnfleisch als zuvor. Wie lange es hält, hängt jedoch davon ab, dass die Ursache beseitigt wird: Bleiben traumatisches Putzen, Rauchen oder Entzündung bestehen, kann eine neue Rezession entstehen. Regelmäßige Kontrollen gehören zum Ergebnis.
Kann ein Zahnfleischrückgang zum Zahnverlust führen?
Eine einzelne, durch Putzen bedingte Rezession ohne Parodontitis führt selten zum Zahnverlust. Das Risiko steigt, wenn die Rezession Teil einer Parodontitis mit Knochenverlust zwischen den Zähnen ist. Deshalb unterscheidet die Untersuchung zwischen einer lokalen Rezession und einer ausgedehnteren Zahnfleischerkrankung.
Ist eine Transplantation vor oder nach einer Zahnspange möglich?
Ja, je nach Situation. Ist das Zahnfleisch sehr dünn und sollen Zähne nach außen bewegt werden, kann eine vorherige Verdickung besprochen werden. In anderen Fällen wartet man das Ende der Behandlung ab, um die Rezession in der endgültigen Zahnstellung zu beurteilen. Parodontologe und Kieferorthopäde stimmen diese Entscheidung gemeinsam ab.
Die Informationen auf dieser Seite sind allgemein. Nur eine Untersuchung ermöglicht eine Diagnose und einen passenden Behandlungsplan.



