German Dental ClinicDr Fenjero Walid · Smile Studio

Ratgeber · 4 Min. Lesezeit

Navigierte Implantologie: Planung, Bohrschablone und Grenzen

Bei der navigierten Implantation wird eine am Computer erstellte Planung in den Mund übertragen. So läuft die Planung ab, das leistet die Schablone und das kann sie nicht.

Von Dr Fenjero Walid ·

Illustration: Navigierte Implantologie: Planung, Bohrschablone und Grenzen

Navigierte Implantation kurz erklärt

Bei der navigierten (schablonengeführten) Implantation wird die Implantatposition am Computer geplant, auf Grundlage einer 3D-Aufnahme des Kiefers und einer digitalen Abformung der Zähne. Anschließend wird eine Bohrschablone hergestellt, die die Bohrer während des Eingriffs führt. So wird das Implantat an der Stelle, in der Tiefe und im Winkel gesetzt, die vorher festgelegt wurden.

Der Hauptnutzen ist nicht die Geschwindigkeit, sondern die Vorhersagbarkeit: Zuerst wird der künftige Zahn geplant, dann wird das Implantat so positioniert, dass es ihn richtig trägt, unter Schonung von Knochen, Zahnfleisch und empfindlichen Strukturen wie dem Unterkiefernerv oder der Kieferhöhle.

Man spricht auch von computergestützter Implantologie oder, wenn eine physische Schablone die Führung übernimmt, von statischer Navigation.

Das Implantat vom künftigen Zahn aus planen

Die moderne Implantologie arbeitet mit einer prothetisch orientierten Planung: Der zu ersetzende Zahn bestimmt die Implantatposition, nicht umgekehrt. Ein Implantat, das nur dort steht, wo der Knochen am dicksten ist, kann zwar fest sitzen, lässt sich aber unter Umständen schwer ästhetisch versorgen oder reinigen.

Die Planung umfasst in der Regel folgende Schritte:

  • Klinische Untersuchung: Zahnfleisch, Nachbarzähne, Biss, Mundöffnung und allgemeiner Gesundheitszustand.
  • 3D-Bildgebung: Die digitale Volumentomographie (DVT, englisch cone beam CT) zeigt Höhe und Breite des Knochens in Schnittbildern. Ihr Zahnarzt verordnet sie, wenn die Planung es rechtfertigt.
  • Digitale Abformung: Ein Intraoralscanner erfasst die Oberfläche von Zähnen und Zahnfleisch.
  • Überlagerung: Die Software führt Knochenaufnahme und Zahnscan zu einem gemeinsamen Modell zusammen.
  • Prothetischer Entwurf: Die künftige Krone wird virtuell in ihrer idealen Position gestaltet.
  • Implantatauswahl: Durchmesser, Länge, Position und Achse werden mit einem Sicherheitsabstand zu anatomischen Strukturen festgelegt.

Die Planung kann vor der Freigabe mit Ihnen besprochen und angepasst werden. Dieser Schritt erfolgt vor dem Operationstag. Oft verstehen Patienten ihre Behandlung gerade hier am besten, weil sie den vorhandenen Knochen und die geplante Position in 3D sehen.

Die Bohrschablone und der Tag des Eingriffs

Nach Freigabe der Planung wird die Schablone konstruiert und hergestellt, meist aus 3D-gedrucktem Kunststoff. Sie stützt sich auf die Restzähne (zahngetragen), bei zahnlosem Kiefer auf die Schleimhaut (schleimhautgetragen) oder seltener direkt auf den Knochen. In die Schablone eingesetzte Metallhülsen geben Position und Richtung der Bohrer vor.

Man unterscheidet mehrere Stufen der Führung:

  • nur Pilotbohrung geführt, die weiteren Schritte erfolgen frei Hand;
  • vollständig geführt, alle Bohrer und teils auch das Implantat selbst werden durch die Schablone geführt;
  • dynamische Navigation, ein eigenständiges Verfahren, das die Instrumente in Echtzeit am Bildschirm verfolgt, ohne physische Schablone.

Am Eingriffstag prüft der Zahnarzt unter örtlicher Betäubung zunächst den exakten Sitz der Schablone und bohrt dann unter reichlicher Kühlung. Wenn Knochen und Zahnfleisch es erlauben, ist ein Vorgehen ohne Aufklappung (flapless) möglich: Das Zahnfleisch wird nicht abgelöst, sondern nur an der Implantatstelle punktförmig eröffnet.

Am Ende des Eingriffs bestätigt ein Kontrollröntgenbild die Implantatposition. Je nach Fall wird ein Gingivaformer oder ein provisorischer Zahn eingesetzt, oder das Zahnfleisch wird während der Osseointegration, also des Einwachsens des Knochens an die Implantatoberfläche, über dem Implantat verschlossen.

Die Vorteile für Patienten

Richtig indiziert bietet die navigierte Implantation mehrere Vorteile:

  • Präzise Positionierung: Die Konsensuskonferenzen des ITI bestätigen, dass computergestützte Chirurgie die Genauigkeit gegenüber der Freihandmethode verbessert, besonders bei vollständiger Führung.
  • Sicherheit nahe empfindlicher Bereiche: Der Abstand zu Nerv, Kieferhöhle oder Nachbarwurzeln wird vorab gemessen.
  • Schonenderer Heilungsverlauf ohne Aufklappung: Schwellung und Beschwerden fallen oft geringer aus, und es sind mitunter weniger Nähte nötig.
  • Besser planbare Ästhetik: Im sichtbaren Bereich bestimmt die Implantatposition, wie stabil das Zahnfleisch bleibt und wie die Krone austritt.
  • Vorbereitetes Provisorium: In manchen Fällen kann ein provisorischer Zahn vorab anhand der digitalen Planung hergestellt werden.

Für viele Patienten ist es zudem beruhigend zu wissen, dass vor dem Eingriff alles vermessen und entschieden wurde.

Die Grenzen, die Sie kennen sollten

Eine Schablone ist kein Autopilot. Ihre Grenzen sind real und sollten erklärt werden:

  • Eine Abweichung bleibt möglich zwischen geplanter und tatsächlicher Position, bedingt durch die Bildgebung, den Sitz der Schablone oder das Spiel der Bohrer. Deshalb hält die Planung stets einen Sicherheitsabstand ein.
  • Mundöffnung: Schablone und längere Bohrer benötigen Platz. Im Backenzahnbereich kann eine eingeschränkte Mundöffnung das Verfahren erschweren.
  • Knochenangebot: Die navigierte Implantation schafft keinen Knochen. Fehlt Volumen, ist weiterhin ein Knochenaufbau oder eine Regeneration nötig, und der Eingriff erfolgt dann mit Aufklappung.
  • Zahnfleisch: Das Vorgehen ohne Aufklappung setzt ausreichend befestigte Gingiva voraus; andernfalls wird besser eröffnet, um sie zu erhalten und neu zu positionieren.
  • Direkte Sicht: Ohne Aufklappung sieht der Zahnarzt den Knochen nicht. Das ist vertretbar, wenn die Bildgebung reichlich Volumen zeigt, weniger bei einem schmalen Kieferkamm.
  • Vorbereitungszeit: Bildgebung, Konstruktion und Herstellung der Schablone sind ein zusätzlicher Schritt vor dem Eingriff.

Die navigierte Implantation erhöht die Präzision, ersetzt aber weder chirurgische Erfahrung noch die Fähigkeit, das Vorgehen bei Bedarf anzupassen.

Wer profitiert am meisten?

Nicht jede Implantation braucht eine Schablone. Ein Einzelzahn in breitem Knochen ohne nahe empfindliche Strukturen lässt sich von einem erfahrenen Behandler auch frei Hand sehr sicher versorgen. Besonders sinnvoll ist die navigierte Implantation:

  • bei mehreren Implantaten, insbesondere für einen ganzen Kiefer;
  • wenn das Implantat nahe am Unterkiefernerv, an der Kieferhöhle oder an Nachbarwurzeln liegt;
  • im ästhetischen Bereich, wo wenige Grad Neigung das Ergebnis verändern;
  • bei geplanter Sofortimplantation nach der Extraktion oder einem sofortigen Provisorium;
  • wenn aus gesundheitlichen Gründen ein möglichst wenig invasiver Eingriff wünschenswert ist.

Die allgemeinen Vorsichtsmaßnahmen der Implantologie gelten weiterhin: Rauchen, schlecht eingestellter Diabetes, unbehandelte Parodontitis und bestimmte Medikamente müssen vor dem Eingriff angesprochen und berücksichtigt werden. Für die Zeit danach gelten die üblichen Hinweise, die wir im Beitrag nach dem Setzen eines Implantats erklären.

Navigierte Implantation in der German Dental Clinic in Agdal

Die navigierte Implantation gehört zu den Verfahren, die in der Praxis von Dr Fenjero Walid angewendet werden. Die Beratung beginnt mit einer Untersuchung und einem Gespräch über Ihr Vorhaben, danach erfahren Sie, welche Bildgebung nötig ist. Die digitale Abformung erfolgt mit dem Intraoralscanner der Praxis, und die Position jedes Zahnimplantats wird Ihnen vor dem Eingriff gezeigt, zusammen mit den Gründen für eine geführte, eine aufklappungsfreie oder eine konventionelle Vorgehensweise.

Wenn Sie in Rabat leben und den Ersatz eines oder mehrerer Zähne erwägen, können Sie gern einen Termin vereinbaren für eine Implantatberatung.

Häufige Fragen

Ist die navigierte Implantation weniger schmerzhaft?

Der Eingriff selbst erfolgt mit oder ohne Schablone unter örtlicher Betäubung. Der Unterschied zeigt sich vor allem danach: Ist ein Vorgehen ohne Aufklappung möglich, wird das Zahnfleisch nicht abgelöst, und der Heilungsverlauf ist oft angenehmer mit weniger Schwellung. Sind Knochenaufbau oder Aufklappung nötig, ähnelt er einer konventionellen Implantation.

Ist eine 3D-Röntgenaufnahme immer nötig?

Für die Planung einer navigierten Implantation ja: Die Software benötigt ein dreidimensionales Bild des Knochens, meist eine DVT, um die Implantatposition festzulegen. Ihr Zahnarzt prüft, ob die Untersuchung gerechtfertigt ist und das Aufnahmefeld auf den relevanten Bereich begrenzt bleibt, nach dem Grundsatz einer so niedrigen Dosis wie vernünftigerweise möglich.

Bekomme ich mit der navigierten Implantation am selben Tag einen festen Zahn?

Manchmal, aber das hängt nicht von der Schablone ab. Eine Sofortbelastung setzt eine gute Primärstabilität des Implantats, ausreichende Knochenqualität und einen kontrollierten Biss voraus. Die digitale Planung hilft, ein Provisorium vorzubereiten, die endgültige Entscheidung fällt jedoch während des Eingriffs.

Kann sich die Schablone irren?

Die Schablone setzt die Planung genau um, kleine Abweichungen bleiben jedoch möglich, bedingt durch Bildgebung, Sitz der Schablone oder Instrumente. Deshalb hält die Planung einen Sicherheitsabstand zu Nerv, Kieferhöhle und Nachbarwurzeln ein. Der Zahnarzt kontrolliert den Sitz der Schablone und bleibt bereit, das Vorgehen anzupassen.

Eignet sich die navigierte Implantation bei wenig Knochen?

Sie hilft, den vorhandenen Knochen optimal zu nutzen, etwa durch eine passende Achse oder Länge, schafft aber keinen neuen Knochen. Reicht das Volumen nicht aus, kann vor oder während der Implantation ein Knochenaufbau nötig sein. Die 3D-Diagnostik zeigt das bereits vor dem Eingriff.

Die Informationen auf dieser Seite sind allgemein. Nur eine Untersuchung ermöglicht eine Diagnose und einen passenden Behandlungsplan.

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