German Dental ClinicDr Fenjero Walid · Smile Studio

Ratgeber · 4 Min. Lesezeit

Moderne Zahnreinigung: Ultraschall, Pulverstrahl und Biofilmkontrolle

Zahnreinigung bedeutet heute mehr als Zahnstein abkratzen. Moderne Konzepte nehmen zuerst den Biofilm ins Visier, mit schonenderen Instrumenten und einem persönlichen Ablauf. So sieht es auf dem Behandlungsstuhl wirklich aus.

Von Dr Fenjero Walid ·

Illustration: Moderne Zahnreinigung: Ultraschall, Pulverstrahl und Biofilmkontrolle

Was eine moderne Zahnreinigung leistet

Eine moderne Zahnreinigung entfernt Zahnstein, vor allem aber den Biofilm, also die organisierte Bakterienschicht, die sich täglich neu auf den Zähnen und unter dem Zahnfleisch bildet. Sie kombiniert meist Ultraschallinstrumente zur Entfernung harter Ablagerungen mit, in manchen Fällen, einer Pulverstrahlreinigung mit feinem Pulver gegen Biofilm und Verfärbungen. Ziel sind nicht „abgekratzte“ Zähne, sondern gesundes, entzündungsfreies Zahnfleisch.

Zwei Dinge sollte man unterscheiden:

  • Biofilm (Plaque): weich, unsichtbar oder weißlich, bildet sich innerhalb von Stunden und lässt sich durch Putzen und Zahnzwischenraumreinigung entfernen. Er verursacht Zahnfleischentzündungen und Karies;
  • Zahnstein: Plaque, die durch Speichelsalze mineralisiert ist. Hart und rau, lässt er sich nicht mehr wegputzen und dient als Grundlage für neuen Biofilm.

Zahnstein ist also vor allem deshalb ein Problem, weil er Plaque festhält. Darum legen aktuelle Konzepte Wert auf die vollständige Entfernung des Biofilms, auch dort, wo noch kein sichtbarer Zahnstein vorhanden ist.

Ultraschall: Zahnstein schonend entfernen

Das meistverwendete Instrument zur Zahnsteinentfernung ist die Ultraschallspitze. Sie schwingt mit sehr hoher Frequenz und zerlegt den Zahnstein, während ein Wasserstrahl das Instrument kühlt und die Reste ausspült. Das hohe Geräusch und das Vibrieren sind normal.

Ultraschallinstrumente haben mehrere Vorteile:

  • sie lösen Zahnstein mit wenig Druck auf den Zahn;
  • das Spülwasser wäscht die Zahnfleischtaschen aus;
  • feine Ansätze ermöglichen bei Bedarf die Arbeit unter dem Zahnfleisch.

Handinstrumente, sogenannte Küretten, ergänzen die Arbeit oft an schwer zugänglichen Stellen oder zur Kontrolle der Wurzeloberfläche. Entgegen einer verbreiteten Annahme nutzt eine fachgerechte Zahnsteinentfernung den Zahnschmelz nicht ab und schadet den Zähnen nicht.

Es gibt zwei grundlegende Ultraschalltechnologien. Tragen Sie einen Herzschrittmacher oder einen implantierten Defibrillator, sagen Sie es bitte immer: Der Zahnarzt wählt dann das für Sie geeignete Instrument.

Pulverstrahl: Glycin, Erythritol und Natriumbicarbonat

Beim Pulverstrahlverfahren wird ein Gemisch aus Luft, Wasser und sehr feinem Pulver auf die Zähne gestrahlt. Es entfernt Biofilm und Verfärbungen an schwer erreichbaren Stellen: zwischen den Zähnen, um Zahnspangen, Implantate und geklebte Retainer.

Entscheidend ist die Wahl des Pulvers:

  • Natriumbicarbonat: das klassische Pulver, wirksam gegen Tee-, Kaffee- und Tabakverfärbungen, aber abrasiver. Es bleibt dem Zahnschmelz oberhalb des Zahnfleischs vorbehalten;
  • Glycin: eine feinkörnige Aminosäure, deutlich weniger abrasiv, geeignet für freiliegende Wurzeln und das Zahnfleisch;
  • Erythritol: ein Zuckeralkohol mit noch feinerer Körnung, sehr wenig abrasiv, oft mit einem Antiseptikum kombiniert. Es eignet sich für die Reinigung um Implantate und mit einer speziellen Düse für flache Taschen.

Die schonenden Pulver haben den Einsatz des Pulverstrahls verändert: Er ist nicht mehr nur eine kosmetische Politur, sondern ein echtes Werkzeug zur Biofilmentfernung. Das Verfahren ist nicht überall verfügbar, und Ihr Zahnarzt sagt Ihnen, ob es in Ihrem Fall angezeigt ist.

Biofilmorientierte Behandlungskonzepte

In den letzten Jahren wurden strukturierte Konzepte vorgeschlagen, die die Sitzung um den Biofilm statt um den Zahnstein herum aufbauen. Ihre Grundsätze in einfachen Worten:

  • Anfärben der Plaque, um sie sichtbar zu machen und dem Patienten die beim Putzen vergessenen Stellen zu zeigen;
  • Erklären und Motivieren: Hygienetipps an das anpassen, was die Färbung zeigt;
  • Biofilm entfernen mit schonendem Pulverstrahl auf Zähnen, Zahnfleisch und um Implantate;
  • restlichen Zahnstein gezielt mit Ultraschall entfernen, nur dort, wo er noch haftet;
  • kontrollieren, ob alles sauber ist, und den nächsten Termin nach dem Risiko festlegen.

Diese Logik hat zwei Vorteile: eine gründlichere Reinigung und eine oft angenehmere Sitzung, weil mechanische Instrumente nur dort arbeiten, wo es nötig ist. Eine abschließende Politur mit Paste wird dann häufig überflüssig.

Solche Konzepte sind eine Art, die Behandlung zu organisieren, keine Pflicht: Eine gut durchgeführte klassische Zahnreinigung bleibt wirksam.

Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen

Die Zahnreinigung ist ein alltäglicher und sicherer Eingriff, doch einige Situationen sollten Sie vorher mitteilen:

  • gerinnungshemmende Medikamente oder Plättchenhemmer: Sie sprechen nicht gegen die Reinigung, der Zahnarzt muss aber davon wissen;
  • einen Herzschrittmacher oder Defibrillator, wegen der Wahl des Ultraschallgeräts;
  • eine ausgeprägte Atemwegserkrankung, da das beim Pulverstrahl entstehende Aerosol stören kann;
  • eine natriumarme Diät, bei der auf Natriumbicarbonatpulver verzichtet wird;
  • bestimmte Herzerkrankungen mit Endokarditisrisiko, bei denen gemäß den Leitlinien eine Antibiotikaprophylaxe nötig sein kann;
  • Kontaktlinsen, die vor einer Pulverstrahlbehandlung besser herausgenommen werden;
  • eine Schwangerschaft: Die Zahnreinigung ist möglich und sogar empfehlenswert, da das Zahnfleisch in dieser Zeit oft stärker entzündet ist.

Nach der Sitzung sind eine vorübergehende Kälteempfindlichkeit oder leicht gereiztes Zahnfleisch häufig und klingen meist innerhalb weniger Tage ab.

Irrtümer und Häufigkeit der Termine

Um die Zahnreinigung ranken sich einige Irrtümer:

  • „Zahnsteinentfernung lockert die Zähne.“ Falsch. Zahnstein verdeckt manchmal bereits zurückgegangenes Zahnfleisch; nach dem Entfernen wird die Lücke sichtbar, sie war aber schon vorher da. Anschließend schwillt das Zahnfleisch bei der Heilung ab.
  • „Sie hellt die Zähne auf.“ Nur zum Teil: Sie entfernt Oberflächenverfärbungen und Zahnstein, was das Lächeln frischer wirken lässt, verändert aber nicht die natürliche Zahnfarbe. Unser Beitrag über gelbe Zähne erklärt den Unterschied.
  • „Wenn mein Zahnfleisch blutet, sollte ich warten.“ Im Gegenteil: Bluten ist ein Entzündungszeichen, das die Reinigung behandeln hilft, wie unser Beitrag über Zahnfleischbluten erläutert.

Die Häufigkeit ist individuell. Für viele Erwachsene genügt eine Kontrolle mit Reinigung ein- bis zweimal im Jahr. Wer viel Zahnstein bildet, Raucher, Träger von Implantaten oder geklebten Retainern und vor allem Patienten nach einer Parodontitisbehandlung brauchen oft kürzere Abstände.

Zahnreinigung, Zahnfleisch und Nachsorge in Agdal

Eine sorgfältige Zahnreinigung ist oft der erste Schritt zu gesundem Zahnfleisch. Zeigt sie tiefe Taschen, verbreitetes Bluten oder Knochenabbau im Röntgenbild, reicht sie allein nicht mehr aus: Dann übernehmen ein Parodontalbefund und eine passende Zahnfleischbehandlung.

In der German Dental Clinic in Agdal geht die Zahnreinigung mit einer Untersuchung des Zahnfleischs und persönlichen Hygienetipps einher, bei Bedarf mit digitalem Röntgen. Der Zahnarzt erklärt Ihnen die eingesetzten Techniken und den für Ihren Mund passenden Nachsorgeabstand. Wenn Sie in Rabat wohnen und Ihre letzte Reinigung schon länger zurückliegt, können Sie einen Termin vereinbaren.

Häufige Fragen

Ist eine Zahnsteinentfernung schmerzhaft?

Meist ist sie nur etwas unangenehm: Geräusch, Vibration, das Gefühl von Wasser. Ist das Zahnfleisch stark entzündet oder sind die Wurzeln empfindlich, können einzelne Bereiche unangenehm sein, dann kann eine örtliche Betäubung angeboten werden. Schonende Pulver für den Pulverstrahl werden in der Regel gut vertragen.

Ersetzt der Pulverstrahl die Zahnsteinentfernung?

Nein, beide ergänzen sich. Der Pulverstrahl entfernt Biofilm und Verfärbungen wirksam, harten, fest haftenden Zahnstein aber nicht. Für mineralisierte Ablagerungen bleiben Ultraschall und Küretten nötig. Aktuelle Konzepte kombinieren beides je nach Untersuchungsbefund.

Können Implantate professionell gereinigt werden?

Ja, und das ist wichtig, um Entzündungen um Implantate vorzubeugen. Verwendet werden dann geeignete Instrumente, die weder Implantat noch Krone zerkratzen, und, sofern verfügbar, sehr wenig abrasive Pulver wie Glycin oder Erythritol.

Warum bildet sich bei mir so schnell Zahnstein?

Wie schnell Zahnstein entsteht, ist von Mensch zu Mensch verschieden und hängt von der Speichelzusammensetzung, der Ernährung, dem Rauchen und der Reinigung ab, besonders hinter den unteren Frontzähnen nahe den Speicheldrüsen. Sorgfältiges Putzen und Interdentalbürsten verlangsamen die Bildung, verhindern sie aber nicht immer.

Sollte vor einem Bleaching eine Zahnreinigung erfolgen?

Ja, das wird in der Regel empfohlen. Die Reinigung entfernt Zahnstein und Oberflächenverfärbungen, sodass sich die tatsächliche Zahnfarbe beurteilen lässt und die Aufhellung gleichmäßiger ausfällt. Außerdem lässt sich so prüfen, ob das Zahnfleisch gesund ist, bevor ein Bleichmittel aufgetragen wird.

Die Informationen auf dieser Seite sind allgemein. Nur eine Untersuchung ermöglicht eine Diagnose und einen passenden Behandlungsplan.

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