German Dental ClinicDr Fenjero Walid · Smile Studio

Ratgeber · 4 Min. Lesezeit

Parodontitis: Stadien, Grade und Behandlung einfach erklärt

Stadium III, Grad B: Eine Parodontitis-Diagnose klingt manchmal wie ein Code. Hier erfahren Sie, was sie für Ihr Zahnfleisch bedeutet und wie eine moderne Behandlung Schritt für Schritt abläuft.

Von Dr Fenjero Walid ·

Illustration: Parodontitis: Stadien, Grade und Behandlung einfach erklärt

Was ist Parodontitis?

Parodontitis ist eine chronische Entzündung des Zahnhalteapparats: Zahnfleisch, Wurzelhaut und Knochen. Auslöser ist der bakterielle Biofilm (Plaque), der sich am und unter dem Zahnfleischrand ansammelt, doch es ist die Entzündungsreaktion des Körpers, die Befestigung und Knochen nach und nach zerstört. Unbehandelt können Zähne ihren Halt verlieren, sich lockern und schließlich verloren gehen.

Meist geht ihr eine Gingivitis voraus, eine oberflächliche und umkehrbare Zahnfleischentzündung. Nicht jede Gingivitis wird zur Parodontitis, aber jede Parodontitis beginnt mit entzündetem Zahnfleisch. Der entscheidende Unterschied: Bei der Gingivitis ist die Befestigung noch intakt, bei der Parodontitis nicht, und verlorener Knochen wächst nicht von selbst nach.

Anfangs verläuft die Erkrankung oft schmerzlos. Warnzeichen sind:

  • Zahnfleisch, das beim Putzen blutet, mehr dazu in unserem Beitrag über Zahnfleischbluten;
  • anhaltender Mundgeruch;
  • zurückgehendes Zahnfleisch und länger wirkende Zähne;
  • neu entstehende Lücken zwischen den Zähnen;
  • ein Zahn, der sich lockert oder seine Stellung verändert.

Die Diagnose: Sondierung und Röntgenbilder

Die Diagnose beruht auf einer genauen Untersuchung, dem Parodontalbefund. Der Zahnarzt führt eine abgerundete Messsonde an mehreren Stellen jedes Zahns behutsam zwischen Zahn und Zahnfleisch ein. So misst er die Taschentiefe und den Attachmentverlust und dokumentiert Blutungen, Zahnlockerungen und den Befall der Bereiche zwischen den Wurzeln der Backenzähne (Furkationen).

Ergänzt wird dieser Befund durch Röntgenbilder: Eine Panoramaaufnahme verschafft einen Überblick, gezielte Einzelaufnahmen zeigen den Knochenverlauf um die betroffenen Zähne im Detail.

Außerdem erfragt der Zahnarzt die medizinisch relevanten Angaben: Rauchen, Diabetes und dessen Einstellung, Medikamente sowie frühen Zahnverlust in der Familie. Diese Faktoren bestimmen Diagnose und Behandlungsplan unmittelbar mit.

Stadien und Grade der Klassifikation von 2017 verstehen

Seit der Klassifikation von 2017 der EFP (Europäische Föderation für Parodontologie) und der AAP (Amerikanische Akademie für Parodontologie) wird die Parodontitis ähnlich wie andere chronische Erkrankungen beschrieben: nach Stadium, Ausdehnung und Grad.

Das Stadium beschreibt Schweregrad und Komplexität:

  • Stadium I: beginnende Parodontitis mit begrenztem Attachment- und Knochenverlust;
  • Stadium II: mittelschwere Parodontitis, deutlicherer Knochenabbau, aber kein Zahnverlust durch die Erkrankung;
  • Stadium III: schwere Parodontitis mit tiefen Taschen, Furkationsbefall und möglichem Verlust einzelner Zähne;
  • Stadium IV: schwere Parodontitis mit Verlust vieler Zähne, Lockerungen, Zahnwanderungen und Bedarf an einer komplexen Wiederherstellung der Kaufunktion.

Die Ausdehnung gibt an, ob die Erkrankung auf einige Zähne begrenzt, generalisiert ist oder einem besonderen Muster an Backen- und Schneidezähnen folgt.

Der Grad schätzt die Fortschrittsgeschwindigkeit und das künftige Risiko ein:

  • Grad A: langsames Fortschreiten;
  • Grad B: mäßiges Fortschreiten;
  • Grad C: schnelles Fortschreiten.

Rauchen und ein schlecht eingestellter Diabetes können den Grad erhöhen. „Generalisiertes Stadium III, Grad B“ bedeutet also eine schwere, den ganzen Mund betreffende Erkrankung mit mäßigem Fortschreiten.

Die nichtchirurgische Behandlung: der unverzichtbare erste Schritt

Die europäische S3-Leitlinie der EFP gliedert die Behandlung in aufeinanderfolgende Stufen. Die ersten beiden sind nichtchirurgisch und betreffen alle Patienten.

Stufe 1: Biofilm und Risikofaktoren kontrollieren. Der Zahnarzt zeigt Ihnen, wo Beläge verbleiben, passt Ihre Putztechnik und die Wahl der Interdentalbürsten an, führt eine Zahnsteinentfernung oberhalb des Zahnfleischs durch und spricht Rauchstopp und Diabeteseinstellung an. Von dieser Stufe hängt alles Weitere ab: Ohne wirksame tägliche Reinigung hält auch die sorgfältigste Behandlung nicht.

Stufe 2: subgingivale Instrumentierung. Oft als Wurzelglättung oder Tiefenreinigung bezeichnet, werden dabei die Wurzeln am Taschenboden unter örtlicher Betäubung mit Ultraschallinstrumenten und Handküretten gereinigt, in einer oder mehreren Sitzungen. Bei bestimmten Formen können Antibiotika ergänzt werden, sie sind jedoch kein Standard und ersetzen niemals die mechanische Reinigung.

Nach einigen Wochen Heilung werden die Taschen bei einer Reevaluation erneut gemessen, um das Ansprechen zu beurteilen.

Wann ist eine Parodontalchirurgie nötig?

Bleiben nach einer sorgfältig durchgeführten nichtchirurgischen Therapie tiefe Taschen bestehen, kann Stufe 3 vorgeschlagen werden. Resttaschen lassen sich zunächst erneut instrumentieren. Bleiben sie tief, ermöglicht ein chirurgischer Eingriff den direkten Zugang zu Wurzeln und Knochen:

  • die Lappenoperation: Das Zahnfleisch wird geöffnet, um unter Sicht zu reinigen, und anschließend wieder angelegt;
  • die resektive Chirurgie: Sie formt Knochen und Zahnfleisch so um, dass die Tasche verschwindet, bei klar umrissenen Indikationen;
  • die regenerative Chirurgie: Bei bestimmten senkrechten Knochendefekten helfen Schmelzmatrixproteine, Membranen oder Knochenersatzmaterial, einen Teil des verlorenen Attachments wieder aufzubauen.

Im Stadium IV verbindet die Behandlung die Parodontologie oft mit anderen Fachgebieten: Kieferorthopädie für gewanderte Zähne, Schienungen sowie Kronen, Brücken oder Implantate zur Wiederherstellung der Kaufunktion. Eine gut geplante Zahnfleischbehandlung geht diesen Versorgungen immer voraus.

Diese Eingriffe erfolgen in der Regel unter örtlicher Betäubung. Üblich sind eine mäßige Schwellung und einige Tage Beschwerden, dazu weiche Kost, eine angepasste Reinigung des operierten Bereichs und eine verordnete Mundspülung während der Heilung. Rauchen verzögert die Wundheilung deutlich: Ein Rauchstopp verbessert das Ansprechen auf die chirurgische wie auf die nichtchirurgische Behandlung.

Die Nachsorge: der Schlüssel zum langfristigen Erfolg

Eine Parodontitis lässt sich stabilisieren, aber nicht in dem Sinne „heilen“, dass sie für immer verschwindet. Stufe 4, die unterstützende Parodontitistherapie, ist deshalb ebenso wichtig wie die aktive Behandlung. Sie umfasst regelmäßige Kontrollen und professionelle Reinigungen in Abständen, die sich nach Stadium, Grad und Mundhygiene richten und oft kürzer sind als bei Menschen ohne Vorgeschichte.

Bei jedem Termin misst der Zahnarzt die Taschen erneut, erkennt blutende Stellen, frischt die Hygieneanleitung auf und greift bei einem Wiederaufflammen früh ein. Patienten, die diese Nachsorge wahrnehmen, behalten ihre Zähne in der Regel deutlich besser als jene, die sie abbrechen.

Parodontitis steht auch mit der Allgemeingesundheit in Verbindung. Am besten belegt ist der Zusammenhang mit Diabetes, der in beide Richtungen wirkt, wie unser Beitrag über Diabetes und Zahnfleischgesundheit erklärt. Die Behandlung des Zahnfleischs ist Teil einer ganzheitlichen Gesundheitsvorsorge.

Ihr Parodontalbefund in Agdal

Wenn Ihr Zahnfleisch blutet, man Ihnen von Zahnfleischrückgang berichtet hat oder ein naher Verwandter früh Zähne verloren hat, zeigt ein Parodontalbefund, wo Sie stehen. Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto einfacher ist die Behandlung.

In der German Dental Clinic in Agdal umfasst die Untersuchung die parodontale Sondierung, digitales Röntgen und eine verständliche Erklärung Ihres Stadiums und Grades, verbunden mit einem schrittweisen Behandlungsplan. Wenn Sie in Rabat oder Umgebung wohnen und Ihr Zahnfleisch untersuchen lassen möchten, können Sie einfach einen Termin vereinbaren.

Häufige Fragen

Ist Parodontitis vollständig heilbar?

Eine Parodontitis lässt sich stoppen und stabilisieren: Das Zahnfleisch blutet nicht mehr, die Taschen werden flacher. Verlorener Knochen wächst jedoch nicht von selbst nach, außer bei manchen Defekten, die regenerativ operiert werden. Werden Mundhygiene und Nachsorge vernachlässigt, kann die Erkrankung wiederkehren, deshalb sind Kontrollen so wichtig.

Ist die Wurzelglättung schmerzhaft?

Sie erfolgt unter örtlicher Betäubung und ist daher in der Regel gut erträglich. Danach sind Kälteempfindlichkeit und ein leichtes Druckgefühl am Zahnfleisch für einige Tage häufig. Das Zahnfleisch kann sich beim Abschwellen etwas zurückziehen: ein Zeichen dafür, dass die Entzündung abklingt.

Ist Parodontitis erblich oder ansteckend?

Es gibt eine familiäre Veranlagung: Manche Menschen reagieren, teils aus genetischen Gründen, stärker auf den Biofilm. Bakterien können zwischen nahestehenden Personen übertragen werden, ansteckend im üblichen Sinn ist die Erkrankung aber nicht. Entscheidend sind die individuelle Abwehrreaktion und Risikofaktoren wie Rauchen.

Sind Implantate nach einer Parodontitis möglich?

Ja, häufig schon, aber erst wenn die Erkrankung behandelt und stabil ist. Eine Parodontitis in der Vorgeschichte erhöht das Risiko einer Entzündung um Implantate, der Periimplantitis. Gründliche Mundhygiene und regelmäßige Nachsorge sind deshalb vor und nach dem Einsetzen unerlässlich.

Wie oft muss ich nach der Behandlung wiederkommen?

Die Nachsorgeabstände werden individuell festgelegt. Sie hängen von Stadium und Grad Ihrer Parodontitis, Ihrer Mundhygiene, dem Rauchen und gegebenenfalls der Diabeteseinstellung ab. Anfangs sind die Termine oft enger, danach werden sie je nach der bei jeder Kontrolle festgestellten Stabilität angepasst.

Die Informationen auf dieser Seite sind allgemein. Nur eine Untersuchung ermöglicht eine Diagnose und einen passenden Behandlungsplan.

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